Tarifvertrag

Wie allgemein bekannt, werden Tarifverträge zwischen einem Arbeitnehmer- und einem Arbeitgeberverband geschlossen. Der größte Arbeitnehmerverband für die Gastronomie ist die NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) mit ca. 200.000 Mitgliedern. Arbeitgeberverbände sind DEHOGA und BdS (Bundesverband der Systemgastronomie).

Doch viel mehr wissen die wenigsten. Wann und wie hat man überhaupt Anspruch auf die vereinbarten Bedingungen? Wie relevant sind die Tarifvereinbarungen? Für wen gelten sie? Und welche Vorteile resultieren aus einer Mitgliedschaft?

 







Entgelttarifvertrag

Für jedes Bundesland werden (marginal) unterschiedliche Höhen der Entgelte ausgehandelt. Außerdem gibt es verschiedene Verträge für größere Arbeitgeber oder Wirtschaftszweige. Die genauen Informationen und Beträge bekommt man ausschließlich als Mitglied einer Gewerkschaft.

Der Entgelttarifvertrag ist nach Berufsgruppen gestaffelt. Die erste Stufe berücksichtigt ungelernte Aushilfskräfte. In der vierten Stufe sind gerade ausgelernte Fachkräfte, die eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Gastronomie hinter sich haben. Dann kommen weitere Stufen, die die Sprossen auf der Karriereleiter entsprechen, wie stellvertretende Abteilungsleitung, Abteilungsleitung, Regionalleitung, etc.

Hier zur Orientierung eine kurze beispielhafte Übersicht über die Bruttoentgelte pro Monat, gültig bis 2018 in NRW. Die Nettobeträge sind ebenfalls beispielhaft und beziehen sich auf Steuerklasse 1 (Angaben ohne Gewähr):

brutto netto
Auszubildende im 1. Lehrjahr 700 € 560 €
Auszubildende im 2. Lehrjahr 800 € 640 €
Auszubildende im 3. Lehrjahr 900 € 720 €
Unterste Entgeltgruppe 1.521 €  1.122€
Einstieg nach der Ausbildung 1.856 €  1.306 €
Höchste Entgeltgruppe 3.059 €  1.958 €

Quelle: www.tarifregister.nrw.de

 

Manteltarifvertrag

Im Manteltarifvertrag werden besondere Rahmenbedingungen geregelt, wie Sonderzahlungen, Arbeitszeiten, Ruhezeiten, Urlaubstage, Kost und Logis, etc. Alles Vereinbarungen, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgehen.

 

Gültigkeit

Damit man als Arbeitnehmer überhaupt Anspruch auf die ausgehandelten Bedingungen und Vorteile hat, muss man sowohl selbst Mitglied einer Gewerkschaft sein, als auch der aktuelle Arbeitnehmer. Ist der Arbeitgeber nicht im DEHOGA-Verband, muss er kein Tarifgehalt zahlen.

Es sei denn, der Tarifvertrag wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales für Allgemeingültig für alle Arbeitnehmer und -geber erklärt. Laut der dem Verzeichnis des Ministeriums sind folgende (Teil)verträge für allgemeinverbindlich erklärt worden:

  • Baden-Württemberg: Manteltarifvertrag vom 18.03.2002, allgemeinverbindlich ab 01.04.2015
  • Bayern: Vertrag über eine tarifliche Altersvorsorge mit Protokollnotiz vom 25.04.2002 allgemeinverbindlich ab 21.08.2002
  • Bremen: Manteltarifvertrag (ohne Protokollnotizen) vom 17.04.1997, allgemeinverbindlich ab 01.05.1997
  • Niedersachsen: Manteltarifvertrag vom 28.06.2000, allgemeinverbindlich ab 28.12.2000
  • Nordrhein-Westfalen: Manteltarifvertrag mit Anhängen 1 bis 3 vom 23.03.1995, allgemeinverbindlich ab 15.07.2004
  • Schleswig-Holstein: Manteltarifvertrag mit Protokollnotiz vom 15.04.1994, allgemeinverbindlich ab 19.09.2002

 

Mitgliedschaft

Sowohl als Arbeitnehmer als auch als Arbeitgeber hat man natürlich Vorteile, wenn man Mitglied in einer Gewerkschaft bzw. Verband ist.

Argumente für Arbeitnehmer sind:

  • Zugang und Anspruch auf alle Vereinbarungen im Tarifvertrag
  • Rechtsberatung bzw. ab dem vierten Mitgliedsmonat umfassender Arbeitsrechtschutz
  • kostenfreie Unfallversicherung
  • kostenfreie Seminare
  • Beratung der Mitglieder und insbesondere Auszubildender zu den Themen Mobbing, Schwangerschaft, Rechtsradikalismus, etc.

Kostenpunkt: 1% vom Bruttoeinkommen ohne Zuschläge.