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Conrad Krödel

Studienrat für das Oberstufenlehramt an Beruflichen Schulen

 

“Obwohl ich die allgemeinbildende Schule mit Abitur verlassen habe, habe ich mich entschieden, zunächst eine klassische Ausbildung zu machen. Die Hochschulreife hat mir geholfen, die Ausbildung auf zwei Jahr zu verkürzen. Ich musste zwar eine Menge an Inhalten nachholen, aber das hohe Maß an Eigeninitiative hat sich gelohnt. Nach meiner Ausbildung zum Fachmann für Systemgastronomie habe ich noch einige Zeit in verschiedenen Unternehmen der Branche gearbeitet. Für mich war es wichtig, außer dem Ausbildungsbetrieb noch andere Systeme kennen zu lernen.

Im Laufe der Zeit bekam ich aber immer stärker das Verlangen auch mal “Studentenluft” zu schnuppern. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung schon in der Tasche war ich davon überzeugt, mein Studium gut finanzieren zu können. Ich wollte auf jeden Fall etwas studieren, das eine Ausbildung voraussetzt. Außerdem hat mir die Arbeit in den Abteilungen Training und H&R auch sehr gefallen, so dass ich mich gut in der Rolle des Ausbilders vorstellen konnte.







Das Lehramtsstudium für Berufliche Schulen ist einer der wenigen Studiengänge an deutschen Universitäten, der eine Berufsausbildung (oder vergleichbare Erfahrung) voraussetzt. Also habe ich mich mit meinem damaligen Arbeitgeber darauf geeinigt, nur noch am Wochenende oder nachts zu arbeiten, so dass ein Studium “nebenbei” möglich ist. Leider hatte ich die Rechnung ohne das deutsche Sozialversicherungssystem gemacht. Während Studenten, die nebenbei arbeiten von Sozialversicherungsabgaben überwiegend befreit sind, müssen Arbeitnehmer, die nebenbei studieren diese weiterhin voll zahlen. Mein Plan ging also nicht auf und ich schwenkte auf ein Vollzeitstudium um und verdiente mein Geld nebenbei mit Hilfstätigkeiten für verschiedene Professoren.

Im letzten Drittel des Studiums sah damals die Studienordnung ein Schulpraktikum vor. Dafür habe ich mir eine der wenigen Berufsschulen ausgesucht, die tatsächlich meinen erlernten Beruf ausbilden. Dort wurde ich mit offenen Armen empfangen, denn schließlich gab es noch keine Lehrer, die selbst in der Systemgastronomie gelernt haben. Die Schüleranzahl in diesem Bereich wuchs aber stetig an. Ein Lehrauftrag nach dem Praktikum ermöglichte es mir, erste Lehrerfahrungen in der Schule zu sammeln und mein Studium gleichzeitig ordentlich zu beenden.

Direkt im Anschluss habe ich mit dem Referendariat die zweite Phase der Lehrerausbildung an der Schule begonnen. Durch meinen Lehrauftrag kannte ich natürlich schon viele Kollegen und Schüler, dies hat den Einstieg in die wirkliche anstrengende Zeit des Referendariats erleichtert. Nach zwei Jahren war auch dies geschafft und mit dem zweiten Staatsexamen konnte ein neuer Meilenstein gefeiert werden.

Da ich an meiner Schule ein junges und dynamisches Team vorgefunden habe, konnte ich auch bei voller Lehrverpflichtung eine Reihe von Dingen verwirklichen: die Mitarbeit im IHK Prüfungsausschuss, Jurytätigkeit bei regionalen und nationalen Berufswettkämpfen, die Neuausgestaltung eines Berufsbildes, die Erstellung von virtuellen Lerninhalten für Onlineplattformen, die Konzeption des größten Berufswettkampfes der Branche, … die Liste würde noch ewig weitergehen.

Auch wenn die Arbeit sehr anstrengend ist, geht eine große Dankbarkeit und Zufriedenheit davon aus, wenn sich ehemalige Auszubildende sich nach vielen Jahren wieder einmal zum Besuch in „ihrer“ alten Schule anmelden und mit uns über ihren Werdegang seit ihrer Ausbildungszeit sprechen.”