Craft Beer Award 2015

Matthias Kliemt

3-Sterne-Diplom-Biersommelier

Bierbotschafter IHK

Privat-Brauerei Strate Detmold GmbH & Co.KG

 

 

Herr Kliemt, wie kommen Sie zu der Passion Bier?







“Seit meiner Jugendzeit begeistert mich das Getränk. Mit der Zeit habe ich festgestellt, dass es unzählige Biermarken gibt und alle unterschiedlich schmecken. Doch Profis, die sich mit dem Biergeschmack beschäftigen, wie Weinsommeliers mit Wein gab es in der Vergangenheit nicht. Bevor ich tatsächlich Bierbotschafter wurde, habe ich was ganz anders gelernt: zunächst habe ich eine Ausbildung als Industriekaufmann gemacht und anschließend Wirtschaftswissenschaften und Raumplanung studiert.”

 

1998 haben Sie zunächst das ProBier-Club.de gegründet. Erklären Sie einmal kurz, was dahinter steckt?

“Früher, als ich viel mit Kollegen unterwegs war, haben wir viele Biere ausprobiert und ich habe dabei festgestellt, dass sich im Freundeskreis sehr viele für die unterschiedlichen Biersorten interessieren. Als Mitglied beim ProBier-Club bekommt man pro Monat neun Flaschen Bier aus einer ausgesuchten Brauerei zugeschickt. Die neun Flaschen sind verschiedene Sorten. Mit dem Club wollte ich aufzeigen, wie viele kleine und mittelständische Brauereien es in Deutschland gibt. Diese Betriebe stehen für regionale Bierkultur, sind flexibel und bieten eine hohe Getränkequalität.”

 

Und das haben Sie ins Leben gerufen, lange vor dem Craftbeer-Trend?

“Ja, am Anfang war es natürlich nicht leicht (sowohl begeisterte Kunden als auch mitmachwillige Partner zu finden). Aber bis vor kurzem habe ich das tatsächlich als mein Hauptberuf ausgeübt. Das Schöne beim ProBier-Club ist, dass man jeden Monat überrascht wird, welche Sorten man bekommt und aus welcher Region.”

 

Auf Ihrer Visitenkarte stehen Titel wie Bierbotschafter und Biersommelier. Welche Unterschiede gibt es dabei?

“Das sind zwei verschiedene Titel, die man jeweils bei einem Fortbildungskurs erwerben kann. 2012 besuchte ich das Gastronomische Bildungszentrum in Koblenz und schloss eine IHK-Prüfung als Bierbotschafter ab. Der Lehrgang dauerte eine Woche. 2014 war ich dann noch an der Doemens-Akademie in Gräfelfing und schloß mit dem Titel Biersommelier ab. Dieser Kurs dauert zwei Wochen.

Der Abschluss „Biersommelier“ ist keine anerkannte Berufsbezeichnung, geschweige denn ein anerkannter Ausbildungsberuf. Der Verband der Biersommeliers arbeitet jedoch daran, dies zu ändern.”

 

Wie viele Biersommeliers gibt es in Deutschland eigentlich?

“Die genaue Zahl kenne ich nicht, sehr viele belegen die Kurse, weil sie sich einfach für Bier begeistern und mehr darüber wissen wollen. Es müssen nicht unbedingt Leute aus der Gastronomie sein. Die Fortbildungen reichen aber wirklich nur, um sich ein gewisses Grundwissen anzueignen. Es lohnt sich natürlich, daran teilzunehmen, trotz der hohen Gebühren. Wer clever ist, hat das Geld über Verkostungen und Events schnell wieder raus. Und Profi wird man mit viel Zeit, mit Praxiserfahrung und Neugier. Tatsächlich als Biersommelier zu arbeiten ist etwas anderes. Da kenne ich wirklich nur zwei weitere.”

 

Was genau machen Sie jetzt?

“Seit Febraur 2017 bin ich als Biersommelier bei der Privat-Brauerei Strate Detmold in Detmold eingestellt. Ich bin für den Aufbau und den Betrieb der Bierakademie verantwortlich. Da werden Schulungen für Brauereimitarbeiter und Gastronomen durchgeführt. Zum Bierverkaufen gehört nämlich mehr als nur Flasche aufmachen. Die Schulungen beschäftigen sich mit Zapfen, Gläserkultur, Einschenken, korrespondierenden Speisen und vielem mehr. Außerdem werden wir auch Veranstaltungen organisieren rund um das Thema Bier und Biererlebnis. Seminare für Jedermann und Firmenevents gibt es natürlich auch. Highlight im Programm wird auch ein Braukurs sein, bei dem man selber im 20 Liter Kessel Bier braut.”

 

Wie beurteilen Sie den Trend Craft Beer und wie sehen Sie die Zukunft?

“Craft Beer ist definitiv ein Trend und wird (hoffentlich) noch lange anhalten. Das Positive daran ist, dass Craft Beer in den Medien ein Bewusstsein für Biervielfalt geschaffen hat. Die Aufmerksamkeit wird auf alte und neue Biersorten und deren Geschmack gelenkt. Vor zehn Jahren zum Beispiel lag der Anteil vom Gesamtverzehr in Deutschland von Pils bei 70%, heute bei 50%. Das heißt, es werden vermehrt andere Biersorten und auch regionale Marken ausprobiert.”

 

Auch große Brauereien bringen mittlerweile Craft Beer Sorten auf den Markt. Ist das eine Bedrohung?

“Da muss man nicht dagegen ankämpfen. Der Geschmack entscheidet. Bei kleineren Brauereien stellt sich doch die Frage nach ausreichenden Absatzmöglichkeiten und genügend Rendite bei Craft Beer. Da würde ich empfehlen, eine verkaufsfähige Sorte zu produzieren, um sich finanziellen Freiraum für Experimente zu schaffen. Die Philosophie von Craft Beer ist letztendlich, einerseits Geschmackserlebnisse zu schaffen und andererseits regional und nachhaltig zu produzieren.”